28. April 2017

Strom-Umlagen werden immer mehr zum Politikum: Ausnahmeregelungen erreichen Rekordwert

Die Diskussion ist nicht neu: Seit Jahren gibt es angesichts der immer größeren Zahl von Unternehmen, die von den Ausnahmeregelungen bei der EEG-Umlage, der Strom- und Energiesteuer oder einer der anderen Strom-Nebenkosten profitieren, Proteste. Diese Vergünstigungen gehen in Form von Steuernachlässen entweder zulasten des Staates oder werden über Mehrkosten von allen übrigen Stromkunden, die keine Möglichkeit haben, Ausnahmen in Anspruch zu nehmen, getragen: von den privaten Verbrauchern und dem Gewerbe. Sie mussten 2016 den größten Teil des staatlichen Entgegenkommens gegenüber den Profiteuren schultern.

Immer neue Rekorde


Das, was tatsächlich einmal als Ausnahme gedacht war, entdecken immer mehr Firmen für sich. Am Beispiel der Befreiungen von der EEG-Umlage lässt sich dieser Trend sehr gut ablesen: Sie ist für Firmen gedacht, deren Stromkosten einen hohen Anteil an den Produktionskosten haben, die deshalb in ihrer Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigt werden und bei denen die Gefahr einer Abwanderung ins Ausland besteht. Sofern die Befreiung aufgrund der energieintensiven Produktion gewährt wird, müssen die Firmen daran arbeiten, ihre Energieeffizienz zu verbessern. Das hat allerdings keine abschreckende Wirkung: Von 2013 bis 2016 ist die Zahl nach Angaben des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA)   der von der besonderen Ausgleichsregelung profitierenden Unternehmen stetig gestiegen. (s. www.bafa.de) Diese Entwicklung, die sich bei allen Strom-Nebenkosten beobachten lässt, hat Folgen: Nach Recherchen des Forums Ökologisch-Soziale-Marktwirtschaft (FÖS) hatten sie 2005 noch ein Gesamtvolumen von 10,7 Milliarden Euro und sind bis 2016 auf rd. 17 Milliarden Euro angeschwollen. 11,5 Milliarden Euro werden von den nicht-umlagebefreiten Stromkunden über ihre Stromrechnung finanziert; sie zahlen damit pro Kilowattstunde im Vergleich zu den bevorzugten Unternehmen den dreifachen Strompreis. Diese Zahlen hat das FÖS auf der Grundlage von Berichten ermittelt, die von den Netzbetreibern, den Behörden und der Bundesregierung veröffentlicht wurden.

Immer mehr Berechtigte, immer mehr Ungerechtigkeit


Mit der Novellierung des EEG zu 1. Januar 2017 wurde der Kreis der antragsberechtigten Unternehmen weiter vergrößert.  Nun können alle Firmen, deren Branche in der Liste 1 der Anlage 4 zum EEG aufgeführt ist und die zwar keine Stromkostenintensität von 17 %, aber doch immerhin von 14 % erreichen, freuen: In diesen Fällen müssen nur 20 % der EEG-Umlage gezahlt werden. In der Liste finden sich Safthersteller ebenso wie Webereien oder Sägewerke (siehe https://www.gesetze-im-internet.de/eeg_2014/anlage_4.html). Das, was bis 2016 als Härtefall galt, ist jetzt eine reguläre Begrenzungsmöglichkeit.

Neu ist auch die Definition eines Unternehmens im Sinne des EEG. Danach sind auch Einzelkaufleute berechtigt, einen Begrenzungsantrag zu stellen.

Durch die Umlagenbefreiung oder –reduzierung steht in einzelnen Branchen auch der Vorwurf einer von der Bundesregierung geförderten Wettbewerbsverzerrung im Raum.
Das beklagt beispielsweise das Bäckerhandwerk schon seit Jahren: Bereits im Oktober 2014 wendete sich der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des deutschen Bäckerhandwerks, Armin Werner, an den Petitionsausschuss des Bundestages. Er verglich die von der EEG-Umlage befreiten Hersteller von Teiglingen, deren tiefgefrorene Ware später im Elektroofen eines Discounters aufgebacken wird, mit einem Handwerksbäcker. Gerade kleine Betriebe müssten mit Preissteigerungen von bis zu 1.422 % fertig werden, es herrschten keine fairen Rahmenbedingungen.
Ministerin Brigitte Zypries, damals noch Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium, lehnte jedoch sowohl eine Fondslösung als auch eine steuerliche Förderung für erneuerbare Energien ab. Die Ungleichbehandlung des Bäckers „um die Ecke“ gegenüber den Großbäckereien erklärte sie hinsichtlich der Handhabung der EEG-Umlage so, dass nicht nur die Stromkostenintensität, sondern auch der internationale Wettbewerb, dem sich ein Betrieb stellen müsse, eine Rolle spielt. Unter dieser Maßgabe werden klassische Handwerksbetriebe immer das Nachsehen haben.

Wie Kreuzfahrtschiffe umweltfreundlicher werden sollen

Kreuzfahrtschiffe sind nicht dafür bekannt, ein Symbol für umweltfreundliche Verkehrsmittel zu sein: Sie fahren mit Schweröl, stoßen große Mengen schädliche Abgase aus und verbrauchen, damit es alle Gäste jederzeit komfortabel haben, Unmengen an Energie. Auch auf einem anderen Gebiet machten sie immer wieder negativ von sich reden: Beim Umgang mit den täglich anfallenden Müllbergen. Immerhin etwa 15 Tonnen Abfall kommen da pro Tag zusammen. Doch hier scheint sich jetzt eine gute Lösung abzuzeichnen.


Energie aus Schiffsabfällen


Moderne Kreuzfahrtschiffe betreiben Mülltrennung und zerkleinern bzw. pressen die zahllosen Flaschen, Dosen, Pappen und Papier, damit sie weniger Platz beanspruchen. Restmüll und Plastik werden direkt an Bord verbrannt. Nach Aussage einiger Reedereien werden nur ein paar Essensreste weit entfernt von der Küste und zerkleinert im Meer entsorgt. Doch so systematisch gehen bei Weitem nicht alle Reedereien vor. Es gelangt immer noch sehr viel Abfall in die Ozeane.
Das in Kanada ansässige Unternehmen Terragon Environmental Technologies Inc. bietet mit dem Verfahren Micro Auto Gasification System (MAGS) eine Möglichkeit, pro Tag eine Tonne Schiffsabfälle in Energie umzuwandeln. Es eignet sich nicht nur für den auf Schiffen entstehenden Müll, sondern für brennbare Abfälle aller Art. Mit dem Einsatz von MAGS können pro Tag im Zuge der Müllverbrennung mehr als 2.400 kWh Energie erzeugt werden.


So funktioniert die neue Entwicklung


Der Müll kann ohne Vorbehandlung in den Behälter gelegt werden, brennbare Flüssigkeiten werden automatisch zugeführt, ohne dass dies durch eine Person, die das Gerät bedient, unterstützt werden muss. Der Müll wird dann in der Trommel stark erhitzt und zerfällt in Bio-Kohle (Biochar) und Synthesegas, das überwiegend Kohlenmonoxid und Wasserstoff enthält. Das Synthesegas wird unter kontrollierten Temperatur- und Luftströmungsbedingungen in einer Brennkammer verbrannt. Erdgas wird nur in einer geringen Menge benötigt, um den Prozess in Gang zu setzen.
Bei diesem Verfahren wird im Gegensatz zu allen anderen bekannten Abfall-zu-Energie-Verfahren bei der Verbrennung der organischen Anteile des Mülls kein Kohlendioxid frei, sondern beim von Terragon entwickelten Prinzip werden bei der Auto-Gasifikation organische Moleküle in anorganischen Kohlenstoff umgewandelt, der z. B. zur Bodenanreicherung verwendet werden kann.
Die neuartige Technologie wird bereits auf zwei Schiffen eingesetzt, die sensible Ökosysteme befahren, und ist im März 2017 mit dem GreenTec Award ausgezeichnet worden.

21. April 2017

Liegt in einem Meteoriten der Schlüssel zum Erfolg erneuerbarer Energien?

Eines der Hauptprobleme, die sich aus dem Ausbau der Wind- und Sonnenenergie ergeben, ist die Speicherung der überschüssigen Energie, um diese später zu nutzen. Den Durchbruch könnte ein Meteorit bringen, dessen Gestein in der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) derzeit genauer untersucht wird.

Speichermöglichkeiten bisher begrenzt


Die Speicherung von aus Wind- oder Sonnenkraft erzeugter Energie gehört zu den seit Jahren meistdiskutierten Themen im Energiebereich. Diese Energie effizient und wirtschaftlich in die chemische Energie von molekularen Bindungen umzuwandeln, ist für nachhaltige und kohlenstoffneutrale Energiesysteme auf der ganzen Welt von großer Bedeutung. Hierzu werden robuste Elektrokatalysator-Materialien benötigt. Forscher der EPFL haben nachgewiesen, dass die Fragmente des sog. Gibeon-Meteoriten hierzu in der Lage sind. Dieser Meteorit ist in prähistorischen Zeiten auf das heutige Gebiet von Namibia gestürzt, und seine 1838 entdeckten Fragmente haben sich über die Namaqualand-Region auf einer Fläche von 100 km Breite und 275 km Länge verteilt. Sie setzen sich aus 90 % Eisen, 8 % Nickel sowie Phosphor und Kobalt zusammen.


Der Gibeon-Meteorit als Katalysator


Chemiker des EPFL-Instituts für Chemie und Chemieingenieurwesen habe die Eignung des Meteor-Gesteins als Katalysator für die Wasserspaltreaktion untersucht. Mittels Elektrolyse wird Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff aufgespalten, wobei der Wasserstoff gespeichert und bei Bedarf wieder verstromt wird. Die Effizienz dieser chemischen Oxidationsreaktion hängt im Wesentlichen vom Katalysatormaterial ab. Die bislang verwendeten eisenhaltigen Katalysatoren enthalten Verunreinigungen, die als der Schlüssel für eine starke elektro-katalytische Aktivität anzusehen sind. Hier zeichnet sich das Material des Meteoriten besonders aus: Er verfügt offenbar über eine charakteristische Verunreinigung mit Nickel und Kobalt, die die idealen Voraussetzungen für eine Elektrokatalyse bilden. Die eisenhaltigen Elektroden aus dem extraterrestrischen Material stechen die bislang als Stand der Technik geltenden Materialien aus. Ihre Zusammensetzung und Struktur geben deutliche Hinweise darauf, welche Richtung für die breite Anwendung in effizienten und preiswerten Elektrolysegeräten weiter verfolgt werden sollte.