Amazon vs. Google – Wer hat bei der „grünen“ Energie die Nase vorn?

Das Schlagwort „erneuerbare Energien“ ist aus den Nachrichten nicht mehr wegzudenken, und viele Firmen haben richtig erkannt, dass sich hiermit nicht nur ökologisch Gutes tun, sondern sich mit diesem Thema auch das eigene Image aufpolieren lässt. Andere hingegen scheinen diese Entwicklung schlicht verschlafen zu haben. Nur so lässt sich erklären, wie unterschiedlich zwei Großkonzerne, die zu den großen Energieverbrauchern gehören, mit dem Einsatz der „Erneuerbaren“ umgehen. Es geht um Amazon und Google und ihre Strom-Pläne für die Zukunft.

Kein neues Thema

Die Forderung, insbesondere energieintensive Angebote wie Cloud-Dienste mit einem höheren Anteil von Strom aus erneuerbaren Quellen zu decken, wird an Amazon bereits seit Jahren gestellt. Schon 2012 wurde der ungünstige Anteil von Kohle- und Atomstrom in Höhe von 83 % am Gesamtverbrauch in einer Greenpeace-Studie bemängelt. Fünf Jahre später hat z. B. Apple, damals ebenfalls in der Kritik stehend, deutlich aufgeholt: Der Konzern bezieht jetzt 83 % seines Strombedarfs aus regenerativen Energiequellen, damals stammten noch 27 % aus Atom- und 55 % aus Kohlekraftwerken. Eine noch stärkere Entwicklung hat Google vollzogen: Während 2012 noch 56 % der genutzten Strommenge aus erneuerbaren Energien bezogen wurden, hat das Unternehmen für 2017 die 100 %-Marke angepeilt. Dieses Ziel wird durch auf etliche Jahre angelegte Lieferverträge mit Windparks in fünf Ländern erreicht. Der Einsatz von Solarenergie spielt im Gesamtkonzept, das eine Energiekapazität von 3,7 Gigawatt umfasst, eine relativ geringe Rolle. Google baut jedoch nicht nur auf den Verzicht von fossilen Energieressourcen und Atomstrom, sondern auch auf eine Reduzierung des Stromverbrauchs. Schon jetzt verbraucht ein Google-Rechenzentrum nur noch halb so viel Strom wie eine typische vergleichbare Einrichtung. Nach eigenen Angaben konnte in den letzten fünf Jahren die Rechenleistung um das 3,5-Fache bei demselben Stromverbrauch gesteigert werden. (Quelle: Google Environmental Report, Dezember 2016)

Angesichts solcher Bemühungen wirken die Aktivitäten von Amazon vergleichsweise übersichtlich. Noch 2015 war dort von einer nur 25 %-igen Nutzung von erneuerbaren Energiequellen die Rede. Mit der Errichtung eines Windparks in North Carolina sollen die Rechenzentren des Amazon Web Services (AWS) in immer stärkerem Maße mit regenerativen Energien versorgt werden. Für Ende 2016 sollte eine Quote von 40 % und für Ende 2017 von 50 % erreicht werden. Langfristig strebt auch Amazon eine vollständige Versorgung der eigenen Rechenzentren mit Öko-Strom an, ohne sich allerdings zu äußern, welcher Zeithorizont hier geplant ist. Derzeit werden vier Windfarmen und vier Solaranlagen von Amazon betrieben, die eine Kapazität von insgesamt 647 bzw. 160 Megawatt haben sollen. In den Windkraftanlagen sollen insgesamt 2.070 Gigawattstunden, mit den Solaranlagen 360 Gigawattstunden Strom pro Jahr erzeugt werden. Inwieweit diese avisierten Werte auch tatsächlich erwirtschaftet werden, lässt sich den AWS-Veröffentlichungen jedoch nicht entnehmen. (Quelle: https://aws.amazon.com)

Doch der Amazon-Gründer Jeff Bezos denkt und plant in deutlich größeren Dimensionen: Nach seinen Vorstellungen soll im Laufe der nächsten Jahrhunderte die ganze Schwerindustrie ins erdnahe Weltall sowie auf den Mars verlagert werden. Das ununterbrochen zur Verfügung stehende Sonnenlicht im Weltraum schaffe ideale Produktionsbedingungen. Man wird sehen. Irgendwann. Aber nicht wir und auch nicht unsere Kinder. Überlegungen, wie sich der Stromverbrauch bei Amazon reduzieren lässt, sind von Bezos nicht überliefert. Das wäre jedoch eine Maßnahme, die der Umwelt und dem Klima sofort zugutekäme und nicht erst in 100 oder 200 Jahren.

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