Elektromobilität: Hilft die Kaufprämie der Energiewende?

Die Art, in der sich die Mobilität von Morgen entwickelt, hat großen Einfluss auf den Erfolg der Energiewende. Denn mit einem Anteil von knapp 28 Prozent am jährlichen Energiebedarf, zählt der Verkehr zu einem der größten Verbraucher fossiler Energieträger. Mit dem Ziel, bis 2020 eine Million Elektroautos auf deutsche Straßen zu bekommen, hat die Regierung nun eine bessere Förderung der Stromer beschlossen. Wie die funktioniert und ob sie tatsächlich zum Erfolg der Energiewende beitragen kann, erfahren Sie in den folgenden Abschnitten.

Das Ziel: Leitmarkt Elektromobilität

Der Verkehrsbereich steht vor einem Paradigmenwechsel, in dem konventionelle Verbrennungsmotoren allmählich durch moderne E-Motoren ersetzt werden. Mit dem nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität hat sich auch die Politik hohe Ziele für diese Mobilitätswende gesteckt. So wurde im Jahr 2009 formuliert, dass Deutschland bis 2020 mit einer Million zugelassenen Elektroautos weltweit zu einem Leitmarkt für Elektromobilität werden soll.  
Für den Klima- und Umweltschutz hätte das nur Vorteile. Denn die Bereiche Verkehr und Transport allein verursachen heute etwa 17 Prozent der gesamten CO2-Emissionen in Deutschland (Quelle: umweltbundesamt.de). Darüber hinaus schonen E-Autos fossile Ressourcen und tragen zu einer sinkenden Importabhängigkeit von Öl bei.
In Städten und Ballungszentren könnten moderne Elektroautos sogar zu einer Verbesserung der Lebensverhältnisse beitragen. Denn die E-Mobile sind nicht nur leise, sondern auch besonders sauber. Sie stoßen keine Abgase aus und helfen, Feinstaub-Belastungen zu reduzieren.
Neben Klima und Umwelt, könnte sich die von der Bundesregierung angestrebte Entwicklung auch positiv auf die Wirtschaft auswirken. Denn mit einem Anteil von mehr als 15 Prozent der gesamten Ausfuhren, hat sich die traditionsreiche Autoindustrie heute zu einem der wichtigsten Exportbereiche entwickelt.

Die Hebel: Kaufprämie, Steuerermäßigung und Ladesäulen-Förderung

Seit der Fassung des Entwicklungsplans Elektromobilität im Jahr 2009 fehlt es der Mobilitätswende in Deutschland noch deutlich an Fahrt. Um den gesteckten Zielen dennoch näher zu kommen, hat die Bundesregierung ein Paket aus Maßnahmen und Förderungen geschnürt, die neue Anreize zur E-Mobilität liefern sollen. Neben einer Kaufprämie und steuerlichen Vergünstigungen soll dabei zum Beispiel auch die Ladesäulen-Infrastruktur ausgebaut werden.
Die neu eingeführte Prämie bezuschusst den Kauf von reinen Elektro- und Hybridautos mit Netzanschluss mit 4.000 bzw. 3.000 Euro. Voraussetzung für die Mittel, die zu 50 Prozent von der Automobilindustrie selbst gezahlt werden, ist, dass die neuen Stromer in ihrer Grundausführung nicht mehr als 60.000 Euro kosten. Mit einem Gesamtvolumen von 600 Millionen Euro könnten so etwa 300.000 bis 400.000 Elektroautos finanziert werden. Immerhin annähernd die Hälfte der ursprünglich anvisierten Zahl von einer Million. Die Kaufprämie kann bei dem BAFA, dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle beantragt werden, sobald die Richtlinien im Bundesanzeiger veröffentlicht wurden. Wann das soweit sein wird, ist nach aktuellen Angabe des BAFA noch nicht sicher. (bafa.de)
Neben der Kaufprämie, erhalten die Besitzer neuer Elektroautos bereits seit längerer Zeit auch steuerliche Vergünstigungen. Alle reinen Elektro- oder Hybrid-Autos, die ab diesem Jahr zugelassen werden, sind dabei für 5 Jahre von der KFZ-Steuer befreit. Nach Ablauf dieser steuerfreien Zeit, wird die normal fällige Steuer weiterhin um 50 Prozent reduziert. Entgegen der Kaufprämie passiert das automatisch. Das heißt, es ist kein Antrag erforderlich.
Da die Elektromobilität nur dann wirklich sinnvoll genutzt werden kann, wenn es auch ausreichend Strom-Tankstellen gibt, hat die Regierung auch den weiteren Ausbau der Ladesäuen-Infrastruktur beschlossen. Mit einem Gesamt-Volumen von 300.000 Millionen Euro, sollen dabei deutschlandweit rund 15.000 neue Lade- und Schnellladesäulen entstehen.
Eine weitere Fördermöglichkeit, die wie die Steuerermäßigungen bereits seit längerer Zeit besteht, bietet die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) mit dem Umweltprogramm 240/ 241. Damit können Unternehmer und Freiberufler den Kauf von Elektroautos sowie den Bau von Ladesäulen über zinsgünstige Kredite finanzieren. Nach Angaben der KfW, gilt das für Vorhaben bis zu einer Investitionshöhe von 10 Millionen Euro.

Die Wirkung: Elektromobilität und Energiewende

Moderne Verkehrskonzepte und energieeffiziente Antriebe sind unerlässlich für den Erfolg der Energiewende. Von dem Ziel, bis 2020 eine Million E-Fahrzeuge zum Rollen zu bringen, ist Deutschland aber noch weit entfernt. Denn aktuell sind gerade einmal rund 25.000 reine Elektroautos auf den Straßen unterwegs (Quelle: Statista) – bei 45 Millionen zugelassenen PKWs ist das nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein.
Viele Experten bezweifeln nun, dass auch die neuen Maßnahmen, anhaltend Schwung in die Mobilitätswende bringen können. Denn auch mit der Prämie von 3.000 Euro bis 4.000 Euro, sind Elektro- und Hybridautos oft noch zu teuer für die breite Masse. Zum Vergleich: Ein neuer VW-Polo hat in der einfachsten Ausführung einen Listenpreis von rund 13.000 Euro. Ein Renault Zoe, der Renner unter den E-Autos in Europa, kostet in der Grundausstattung bereits 21.500 Euro. Der e-Up von VW beginnt dagegen bei einem Preis von über 25.000 Euro.
Einen weiteren Grund dafür, dass die Mobilitätswende auch mit neuen Anreizen nicht anhaltend an Fahrt gewinnen wird, sehen Experten in der begrenzten Reichweite und der noch fehlenden Ladesäulen-Infrastruktur. Denn vor allen in ländlichen Gebieten, in denen der Individualverkehr mit dem eigenen Auto oft unerlässlich ist, ist die Elektromobilität oft nur eingeschränkt möglich. In Städten und Ballungszentren, in denen durchschnittlich 30 Prozent der Bevölkerung kein eigenes Auto haben, geht es dank ÖPNV und Car-Sharing bereits heute gut voran.
Aktuelle Ideen des Bundesfinanzministeriums, den Eigenverbrauch von Strom aus Photovoltaik-Anlagen mit einer „Ökosteuer“ zu belegen, könnten sich sogar negativ auf die Elektromobilität und Energiewende auswirken. Denn damit würden die Bürger bestraft, die sich aus eigenem Interesse für die Energiewende und den Ausbau der erneuerbaren einsetzen. Im Übrigen dürften das auch die Bürger sein, die bereits heute aus Überzeugung E-Auto fahren.

Die kürzlich getroffenen Maßnahmen zum Anschub der Elektromobilität sind ein erster Impuls. Ob dieser tatsächlich auch langfristige Erfolge für die Energiewende haben kann, bleibt abzuwarten. Klar ist allerdings, dass das 2020-Ziel von einer Million Elektroautos auf deutschen Straßen auch mit Kaufprämien und neuen Ladesäulen kaum zu halten sein wird.

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