Energiewende: Die Stimmung in der Gesellschaft

Die Energiewende ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Denn von der Strom- und Wärmeversorgung bis hin zur Mobilität vollzieht sie einen Umbruch in fast allen Bereichen unseres Lebens. Erfolg steht dabei jedoch nur in Aussicht, wenn alle Teile der Gesellschaft an einem Strang ziehen. Akzeptanz und eigene Motivation sind dafür unerlässlich. Aber wie steht es darum? Wie blickt die deutsche Gesellschaft auf die Energiewende und den Ausbau erneuerbarer Energien? Mit dieser Frage beschäftigte sich eine TNS Emnid-Umfrage, die im Auftrag der Agentur für erneuerbare Energien im September 2016 veröffentlicht wurde. Befragt wurden dabei 1.000 Bürger zur Akzeptanz der Energiewende.

grafik ausbau erneuerbareUmfrage zeigt: Erneuerbare werden als wichtig angesehen

Im Zentrum der Energiewende steht der Ausbau erneuerbarer Energien. Denn allein sie bieten die Möglichkeit auch langfristig so zu leben, wie wir es heute gewohnt sind. Denn während fossiles Gas und Erdöl irgendwann zur Neige gehen oder unbezahlbar werden, sind erneuerbare Energiequellen nahezu unerschöpflich. Rückenwind gibt dabei das Ergebnis der Umfrage. Denn das besagt, dass generell 66 Prozent der Befragten den Ausbau erneuerbarer Energien für sehr oder außerordentlich wichtig halten, während 27 Prozent den Ausbau zumindest als wichtig erachten. Lediglich 6 Prozent finden, der Ausbau sei weniger bis überhaupt nicht wichtig. Nur 1 Prozent der Befragten war sich unschlüssig.

 

Ist die EEG-Umlage angemessen?

Die EEG-Umlage ist ein durchaus umstrittenes Instrument der Energiewende. Sie wurde eingeführt, um die festen Einspeisevergütungen aus erneuerbaren Energieanlagen zu zahlen und ist generell von jedem Stromverbraucher zu entrichten. Für Missmut sorgen jedoch die Ausnahmen und Befreiungen die für stromintensive Betriebe eingeräumt wurden, um die Stellung im internationalen Wettbewerb zu ermöglichen.
Mit dem kürzlich verkündeten Anstieg der EEG-Umlage sind ab dem Jahr 2017 6,88 Cent je Kilowattstunde zu zahlen - etwa 8 Prozent mehr als noch in diesem Jahr. Ein Vierpersonen-Haushalt mit einem Verbrauch von 4.000 Kilowattstunden pro Jahr zahlt dabei rund 275 Euro für den Ausbau erneuerbarer Energien.
Die Akzeptanz-Umfrage zeigt: Während 6 Prozent der Befragten die Höhe der EEG-Umlage für zu niedrig einschätzen, wird sie von 54 Prozent für angemessen gehalten. Während sich mit 5 Prozent ein kleiner Teil der Befragten unschlüssig ist, schätzen 36 Prozent den Beitrag für die Finanzierung des erneuerbaren Ausbaus für zu hoch ein.

Welche Ziele werden mit der Energiewende verbunden?

Erneuerbare Energien haben viele Vorteile. So stellen sie zum Beispiel sicher, dass das Leben auch in unserer Zukunft noch genauso lebenswert ist, wie wir es heute kennen. Dabei bleibt Energie bezahlbar und das Klima sauber. Aus der politischen Perspektive sorgen die Erneuerbaren für eine größere Unabhängigkeit. Denn wenn die Energieversorgung autark aus heimischen Quellen gelingt, sind teure Importe aus dem Ausland unnötig. Nach den Umfrageergebnissen glauben 76 Prozent der Befragten, dass die erneuerbaren Energien für eine sichere Zukunft unserer Kinder und Enkel sorgen. 74 Prozent schätzen darüber hinaus den Klimaschutz, der durch einen raschen Ausbau erreicht wird. Während die politische Unabhängigkeit von 67 Prozent erwartet wird, glauben nur 37 Prozent der Befragten daran, dass die erneuerbaren Energien ihre regelmäßigen Kosten langfristig senken werden.
Die Ergebnisse zeigen also: Die Akzeptanz der Energiewende ist nicht unbedingt an finanzielle Vorteile geknüpft. Viel wichtiger sind Themen wie Sicherheit und Klima.

Erfahrung und Beteiligung für höhere Akzeptanz

Viele Bürgerenergiebewegungen berichteten bereits vom hohen gesellschaftlichen Engagement, das durch die Bürgerbeteiligung an der Energiewende hervorgerufen wird. Das macht moderne Technologien greifbar und sorgt oft für Begeisterung.
Dass Erfahrungen mit erneuerbaren Energien auch ohne Beteiligung an einem Bürgerenergie-Versorger zu hoher Akzeptanz führen, zeigen auch die Ergebnisse der Akzeptanz-Umfrage. So würden 73 Prozent der Befragten dem Bau eines Solarparks in der eigenen Nachbarschaft zustimmen. Haben sie bereits Erfahrungen mit ähnlichen Projekten in ihrem Umfeld, steigt die Zustimmung sogar auf 90 Prozent. Ähnlich verhält es sich auch im Bereich der Windkraft, der erst einmal 52 Prozent der Befragten offen gegenüberstehen. Haben sie schon einmal in der Nähe einer Windenergie-Anlage gelebt, steigt die Zustimmung dagegen auf 69 Prozent an.
Ein deutliches Zeichen ist auch, dass gerade einmal 6 Prozent der Befragten einem neuen Kohlekraftwerk in der eigenen Nachbarschaft zustimmen würden. Auch wenn sie damit bereits Erfahrungen machen konnten, steigt der Wert nur auf 30 Prozent.

Die Umfrage der Agentur für erneuerbare Energien zeigt, dass die Gesellschaft durchaus positiv auf die Energiewende und den Ausbau erneuerbarer Energien blickt. Sie zeigt aber auch, dass eine hohe Akzeptanz nur dann erreicht werden kann, wenn die Bevölkerung informiert, involviert und auf eigenen Wunsch sogar aktiv beteiligt werden kann.

Tipp:
Hier lesen Sie, was an den Halbwahrheiten und gängigsten Behauptungen von Fürsprechern der fossilen Energieträger dran ist: Die Energiewende: Der richtige Weg oder Teufelszeug?

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