Fracking in Deutschland – verboten oder nicht?

Vor etwa einem Monat hat die Bundesregierung einen Kompromiss zum Fracking in Deutschland beschlossen. Während dieser unkonventionelles Fracking – wie es in den USA üblich ist – zwar verbietet, geht er Experten und Umweltschützern nicht weit genug. Was Fracking überhaupt ist, ob es schädliche Umweltauswirkungen verursacht und wie der Kompromiss der Bundesregierung aussieht, erfahren Sie in den folgenden Abschnitten.

Was ist Fracking überhaupt?

Fracking – zu Deutsch Aufbrechen – beschreibt ein Verfahren, mit dem die Fördermenge unterirdischer Öl- und Gas-Vorräte erhöht werden soll. Damit das funktioniert, wird eine spezielle Flüssigkeit unter hohem Druck in tiefe Erdbohrungen gepresst. Das führt dazu, dass dort vorhandene Gesteinsschichten aufbrechen, die Durchlässigkeit des Bodens erhöht wird und nachströmendes Öl oder Gas über die Bohrungen zutage gefördert werden kann. Die dabei verwendete Flüssigkeit besteht neben Wasser, auch aus Sand und einer Reihe von Chemikalien. Während der Sand die Aufgabe hat, die aufgebrochenen Risse in tiefen Gesteinsschichten offen zu halten, sorgen die Chemikalien dafür, dass der feine Sand für den Transport in die Tiefe im Wasser gebunden und später wieder herausgelöst werden kann. Darüber hinaus sollen beigemischte Tenside den Reibungsverlust der Flüssigkeit verringern und Biozide vorhandene Bakterien und Keime töten.

Gibt es unterschiedliche Fracking-Methoden?

Je nachdem, in welchen Gesteinsschichten die Fracking-Flüssigkeit verpresst wird, unterscheidet man zwischen einer konventionellen und einer unkonventionellen Methode. Während sich das konventionelle Fracking auf die Anwendung in ohnehin schon porösen Sandsteinschichten begrenzt, geht es beim unkonventionellen Fracking um das Aufbrechen von Schiefer-, Ton-, Mergel- und Kohleflözgesteinen. Da Öl- und Gas-Vorräte dabei in den undurchlässigen Poren der Gesteinsschichten eingeschlossen sind, wird ihre Förderung durch Fracking überhaupt erst möglich.
Im Vergleich der beiden Methoden ist beim konventionellen Fracking oft schon ein Frack-Vorgang ausreichend, um den Ertrag der Bohrlöcher spürbar zu erhöhen. Da die Durchlässigkeit der Erdschichten im unkonventionellen Fracking geringer ist, muss mehr Flüssigkeit verpresst werden.

Ist Fracking schädlich für die Umwelt?

Nach den ersten wirtschaftlich genutzten Fracking-Vorhaben in Deutschland im Jahr 1961, wurde die Technologie bis heute mehr als 300-mal angewandt. Umweltschutzorganisationen wir der BUND agieren bereits lange gegen das Verfahren zur Gewinnung von Erdöl und -gas. Sie befürchten, dass neben den Chemikalien der Fracking-Flüssigkeit auch aus dem Boden ausgewaschene Schwermetalle und radioaktive Substanzen zu einer Verunreinigung von Grund- und Oberflächenwasser führen könnten (www.bund.net).

Obwohl die Förderunternehmen das zum Beispiel durch Zementringe um die Bohrungen verhindern wollen, bieten diese nach Angaben des Umweltinstituts München e.V. keine 100 prozentige Sicherheit. Denn der schützende Betonmantel könnte unter dem hohen Druck des Fracking-Vorgangs brechen. Außerdem sei es auch denkbar, dass die giftigen Flüssigkeiten durch aufgesprengte Gesteinsschichten unkontrolliert nach oben treten.
Eine weitere Gefahrenquelle sieht das Umweltinstitut München e.V. in der Behandlung der Bohrschlämme an der Oberfläche. Denn auch diese enthalten neben den Chemikalien der Fracking-Flüssigkeit, giftige Schwermetalle und natürlich vorkommende radioaktive Stoffe. (www.umweltinstitut.org)

Über die tatsächlichen Folgen des Frackings herrscht heute immer noch Uneinigkeit. Eine Untersuchung des Umwelt-Bundesamtes aus dem Jahr 2012 riet jedoch davon ab, Fracking in Deutschland großflächig einzusetzen. Denn aufgrund mangelnder Daten zu Lagerstätten, den Auswirkungen der Bohrungen und der eingesetzten Chemikalien, sei Fracking zu unsicher. In Wasserschutzgebieten solle es demnach generell verboten werden.(www.umweltbundesamt.de)

Was hat die Regierung zum Fracking in Deutschland beschlossen?

Nach dem sich die Bundesregierung im vergangenen Monat auf einen Kompromiss einigen konnte, soll Fracking in Deutschland zum Teil verboten werden. So soll kommerzielles Fracking zur Gewinnung von Schiefergas – also unkonventionelles Fracking – auf unbestimmte Zeit unzulässig sein. Sofern die betroffenen Bundesländer zustimmen, werden jedoch vier Probebohrungen erlaubt. Diese müssen wissenschaftlich begleitet werden und mehr Klarheit über die Umweltauswirkungen bringen. Nach Auswertung der Ergebnisse wird das Verbot im Jahr 2021 neu geprüft.
Weiterhin wurde darüber abgestimmt, dass Fracking in Natur- und Wasserschutzgebieten verboten wird. Zusätzliche notwendige Umweltverträglichkeitsprüfungen sollen darüber hinaus auch mehr Schutz im Umgang mit Lagerstättenwasser bieten.

Ist Fracking damit jetzt verboten?

Nein. Das Gesetz verbietet Fracking nicht komplett. Denn auch wenn die Anforderungen an Umwelt- und Naturschutz gestiegen sind, wird zumindest konventionelles Fracking weiterhin erlaubt sein.

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