Gas und seine Rolle in der Energiewende

Das oberste Ziel der Energiewende ist es, unseren Energieverbrauch zu großen Teilen über regenerative Quellen zu decken. Aber was wird dabei aus fossilen Energieträgern, die die Bereiche Wärme, Strom und Mobilität heute noch immer dominieren? Werden Rohstoffe wie Gas in Zukunft komplett von der Bildfläche verschwinden oder können sie sich auch langfristig einen Platz in der Energiewelt sichern? Welche Rolle Gas in der Energiewende spielt und ob es ein zukunftsfähiger Rohstoff ist, lesen Sie in den folgenden Abschnitten.

Welchen Anteil hat Gas am heutigen Energieverbrauch?

Um die Frage nach der Rolle des Gases in der Energiewende beantworten zu können, ist es zunächst wichtig zu wissen, welchen Anteil der Rohstoff am heutigen Energieverbrauch hat. Deutlich wird das zum Beispiel am Vergleich der eingesetzten Primärenergiequellen, also der in den natürlich vorhandenen und noch nicht verarbeiteten Quellen gespeicherten Energie.

Im Jahr 2015 betrug der gesamtdeutsche Primärenergieverbrauch rund 13.307 Petajoule, wobei 1 Petajoule einer Energiemenge von etwa 278 Gigawattstunden entspricht. Gas aus fossilen Energiequellen hatte daran einen Anteil von 21,2 Prozent und liegt hinter Mineralöl, das selbst einen Anteil von 33,9 Prozent hatte, auf Platz zwei der bedeutendsten Primärenergiequellen in Deutschland. Zum Vergleich: Mit einem Anteil von 12,5 Prozent belegten erneuerbare Energiequellen den fünften Platz, noch hinter den Energieträgern Stein- und Braunkohle. Die folgende Abbildung zeigt die Verteilung des deutschen Primärenergiebedarfs noch einmal grafisch. (Quelle: BMWi)

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Betrachtet man die Sektoren Strom, Wärme und Mobilität im Einzelnen, wird deutlich, in welchen Bereichen der Energiewelt Gas besonders fest verankert ist. Eine eher untergeordnete Rolle spielt der Rohstoff dabei in der Mobilität und der Stromversorgung. Denn zu Beginn des Jahres 2016 lag der Anteil gasbetriebener Fahrzeuge am gesamten Fahrzeugbestand bei gerade einmal 1,2 Prozent (Quelle: KBA).
Auch an der deutschen Stromerzeugung hatte das fossile Gas im Jahr 2015 nur einen Anteil von 8,8 Prozent (Quelle: BMWi). Anders sieht es dagegen im Wärmemarkt aus. Denn während heute nahezu jede zweite Wohnung mit Erdgas beheizt wird, kommt der fossile Rohstoff im Wohnungsbereich auf einen Anteil von 47,4 Prozent (Quelle: BDEW).

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Reserven und Ressourcen – Wie lange gibt es noch Gas?

Als fossiler Rohstoff ist Gas nur begrenzt auf der Erde vorhanden. Ein wichtiger Aspekt zur Beurteilung der Rolle des Gases in der Energiewende ist dabei auch die Frage danach, wie lange der Energieträger überhaupt noch verfügbar sein wird. Entscheidend dafür sind seine Ressourcen, also die nachweislich vorhandenen, aber noch nicht wirtschaftlich förderbaren Vorkommen.
Schätzungen der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) aus dem Jahr 2015 gehen davon aus, dass noch etwa 320 Billionen Kubikmeter konventioneller Gas-Ressourcen auf der Erde verfügbar sind. Hinzu kommen noch einmal rund 538 Billionen Kubikmeter Gas aus umstrittenen und unkonventionellen Quellen, wie Schiefer- oder Kohleflözgas. Zusammen entsprechen die globalen Ressourcen damit einer Energiemenge von 32.603 Exajoule, wobei 1 Exajoule 1.000 Petajoule oder 278.000 GWh entspricht.
Vergleicht man diese Ressourcen mit dem weltweiten Verbrauch von Gas, der in der BGE-Studie mit einem Wert von 128 Exajoule pro Jahr angegeben wird, ergibt sich die statische Reichweite des fossilen Energieträgers. Die ernüchternde Zahl: rund 250 Jahre. So lange reichen die heute bekannten Ressourcen, wenn der Gas-Verbrauch nicht zunimmt. (Quelle: BGR)

Erneuerbares Gas – Wie entsteht Gas aus erneuerbaren Energiequellen?

Während die Reichweite des fossilen Gases stark begrenzt ist, arbeiten Forscher an einer Möglichkeit synthetisches Gas aus erneuerbaren Energiequellen herzustellen. Dr. Michael Specht vom Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) erklärt das Prinzip ganz einfach: „Unsere Stuttgarter Demonstrationsanlage spaltet aus überschüssigem erneuerbarem Strom Wasser per Elektrolyse. Dabei entsteht Wasserstoff und Sauerstoff. Durch eine chemische Reaktion des Wasserstoffs mit Kohlendioxid entsteht dann Methan – und das ist nichts Anderes als Erdgas, nur synthetisch erzeugt.“

Die moderne Technologie heißt Power-to-Gas und hat gleich vier Vorteile:

  • Sie kann genutzt werden, um überschüssigen Strom aus regenerativen Energiequellen zu speichern und so das schwankende Angebot an den oft zeitversetzten Energiebedarf anzupassen.
  • Das künstlich hergestellte Gas kann direkt in das vorhandene Gasnetz eingespeist werden. Mit Ausnahme der Umwandlungs-Stationen ist dabei keine neue Infrastruktur notwendig.
  • Da das erneuerbare Gas dem konventionellen sehr ähnlich ist, kann es dieses in vielen Bereichen ersetzen. So wird Gas für Wärme, Strom und Mobilität zu einem nachhaltigen Rohstoff.
  • Die Herstellung des synthetischen Gases verbraucht CO2 und entlastet somit auch die Umwelt.

Ist Gas ein zukunftsfähiger Rohstoff?

Betrachtet man fossiles Erdgas, das über Jahrtausende in der Erde entstanden ist und heute über teilweise umstrittene Methoden zutage befördert wird, lautet die Antwort wohl eher nein. Denn der Rohstoff ist stark begrenzt und nach aktuellen Schätzungen nur noch für etwa 200 bis 300 Jahre verfügbar. In Hinblick auf unsere Zukunft und die Lebensbedingungen nachfolgender Generationen ist das ein sehr kurzer Zeit-Horizont.
Wird fossiles Erdgas in Zukunft aber allmählich durch künstliches Gas ersetzt, könnte sich die Antwort ändern. Denn dann verwandelt sich der fossile Rohstoff zu einem nachhaltigen Energieträger, hergestellt aus überschüssigem Solar- und Windstrom. Das löst nicht nur das Speicherproblem der schwankend auftretenden erneuerbaren Energien, sondern kann ohne Weiteres auch in vielen tausend Gas-Heizungen – der Nummer eins bei der Wahl einer neuen Heizung – eingesetzt werden.

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