Kann mit Photovoltaik Geld gespart werden?

Neben den eigenen Ambitionen, etwas für die Umwelt und den Geldbeutel tun zu wollen, spielen auch rechtliche Vorgaben wie die der Energie-Einsparverordnung eine Rolle, wenn es um die Anschaffung einer Photovoltaik (PV)-Anlage geht. Da jeder Fall anders gelagert ist, kann hier nur schlaglichtartig dargestellt werden, mit welchen Kosten gerechnet werden sollte. Dabei gehen wir von einem klassischen 4-Personen-Haushalt in einem Einfamilienhaus durchschnittlicher Größe aus. In dieser Konstellation wird üblicherweise ein durchschnittlicher Stromverbrauch von 4.000 kWh pro Jahr angenommen.
Dabei stellt sich zunächst die Frage, wie groß die PV-Anlage sein sollte.
Hierfür gibt es eine Faustregel: Das Minimum ist eine Leistung von 800-900 kWh je Kilowatt-Peak (kWp) pro Jahr. Eine Anlage mit einer Nennleistung von 1.000 Watt (= 1kWp) hat eine Größe von 8-10 m2. Bei dem oben angeführten Einfamilienhaus sollte also eine Dachfläche in der Größe von 32-40 m2 hierfür eingeplant werden.

Diese Kosten und Einnahmen kommen auf PV-Anlagenbetreiber zu

Der Bund zahlt für jede kWh, die von einer PV-Anlage ins öffentliche Stromnetz eingespeist wird, eine Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG). Ihre Höhe hängt vom Zeitpunkt der Inbetriebnahme der Anlage ab und wird für 20 Jahre (einschließlich des Jahrs der Inbetriebnahme) unverändert gezahlt. Die Einspeisevergütung soll die Stromerzeugung auf der Grundlage der erneuerbaren Energien fördern und wird mit jeder Annäherung der im EEG definierten Zielerreichung reduziert. Betrug sie für im Juli 2013 in Betreib genommene PV-Anlagen für Einfamilienhäuser noch 15,07 Cent/kWh, wurden für das letzte Quartal 2015 nur noch 12,31 Cent/kWh festgesetzt. Grundsätzlich ist es empfehlenswert, möglichst viel des produzierten Stroms selbst zu verbrauchen, weil der Strompreis deutlich höher ist als die Einspeisevergütung. Die Höhe der durch den Betrieb einer PV-Anlage erreichten Stromkosteneinsparung kann nur individuell anhand des eigenen tatsächlichen Bedarfs ermittelt werden.

Das kostet eine PV-Anlage

PV-Anlagen kosten derzeit etwa 1.700 € pro kWp, für ein Einfamilienhaus sollten also Anschaffungskosten in Höhe von ca. 6.800,-- €.
Da PV-Anlagen mit Gleichstrom betrieben werden, Haushalte jedoch mit Wechselstrom versorgt sind, ist ein Wechselrichter nötig. Hierfür ist mit ca. 2.000,-- € zu rechnen.

Kosten für die Installation einer PV-Anlage

Nur weniger Hauseigentümer dürften die nötige Sachkunde haben, um ihre Anlage selbst zu installieren. Ein Fachbetrieb veranschlagt für die Montage pro kWp Leitung zwischen 120,-- € und 180,-- €. Für das Einfamilienhaus würden die Kosten hierfür 480,-- € bis 720,-- € betragen. 
Insgesamt sollte mit Anschaffungskosten zwischen etwa 9.200,-- € und 9.500,-- € gerechnet werden. Bei preisgünstigen Angeboten sind auch Kosten von 8.500,-- € möglich.

Wiederkehrende Kosten PV-Anlage

Doch es kommen auch regelmäßig wiederkehrende Kosten hinzu, die nicht unberücksichtigt bleiben sollten. Experten empfehlen eine halbjährliche Sichtprüfung durch einen Solar-Fachbetrieb, da PV-Anlagen ganzjährig den Witterungsbedingungen ausgesetzt sind, sollte die Unversehrtheit der Module, des Wechselrichters, des Montagesystems und der Verkabelung überprüft werden. Die Kosten hierfür betragen pro Jahr etwa 150,-- € bis 250,-- €.

Sofern der Zähler Eigentum des Anlagenbetreibers ist, muss er nach 16 (Zähler mit Laufscheibe) oder nach acht Jahren (elektronische Zähler) geeicht werden. Die Höhe der Eichgebühren wird in der Mess- und Eichgebührenverordnung (MessEGebV) festgelegt und kann unter der URL http://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/messegebv/gesamt.pdf eingesehen werden. Gehört der Zähler dem Netzbetreiber, werden in der Regel 30,-- € bis 50,-- € Miete pro Jahr erhoben; in Einzelfällen haben Netzbetreiber auch schon 80,-- € verlangt.
 
Auch wenn viele Anlagenbetreiber der Meinung sind, dass eine Reinigung der Module nicht nötig ist, weil das vom Regenwasser oder rutschendem Schnee kostenlos erledigt wird, haben Fachleute hierzu eine andere Auffassung. PV-Anlagen sind ständig den Witterungseinflüssen sowie fallendem Laub, Luftverschmutzung und ätzendem Vogelkot ausgesetzt. Auch an den Stellen, an denen die Glasoberfläche und der Rahmen ineinander übergehen, setzt sich vermehrt Schmutz ab und bildet die Grundlage für den Bewuchs mit Moos oder Flechten. In der Regel reicht eine Reinigung alle zwei Jahre aus. Hierfür fallen dann ca. 2,50 € pro m2 an, also 100,-- € für eine 40 m2 große Anlagenfläche. Umgerechnet auf ein Jahr müssten also 50,-- € für die Reinigung aufgewendet werden.
 
Photovoltaikanlagen können gestohlen oder durch einen Brand, Leitungswasser oder Unwetter beschädigt oder zerstört werden. Auch Konstruktions-, Material- oder Auslegungsfehler führen in vielen Fällen zu einem Ausfall der Anlage. Deshalb sollte für sie eine spezielle Versicherung abgeschlossen werden, die darüber hinaus auch Schäden durch fehlerhafte Bedienung, Fahrlässigkeit, Sabotage und Sachbeschädigung abdeckt. Je nach Versicherer und Anlagengröße müssen hierfür jährlich 150,-- € bis 200,-- € gezahlt werden.
 
Eine nicht planbare Größe sind Reparaturen. Zu den häufigsten Schäden gehören die an der Verkabelung: Marder machen sich hieran gern zu schaffen, aber auch starker Wind kann dazu führen, dass Kabel durchscheuern. Der zweithäufigste Reparaturanlass ist der Austausch des Wechselrichters. Auch wenn die eigentliche Anlage mit einer Lebensdauer von 20 Jahren als langlebig gilt, hält ein Wechselrichter im Durchschnitt nur 15 Jahre den elektrischen Beanspruchungen der Schaltung und der Umgebungstemperatur stand. Sollte ein Austausch nötig sein, sind mit 2.000,-- € die bereits oben dargestellten Kosten heranzuziehen.
 
Nimmt man die Reparaturkosten wegen ihrer fehlenden Planbarkeit aus der Betrachtung heraus, ergeben sich jährliche Kosten zwischen 380,-- € und 580,-- €. Da diese Beträge zu einem erheblichen Teil aus Arbeitskosten bestehen, ist in den nächsten Jahren mit einer Steigerung zu rechnen.

Das wird oft vergessen: Das Finanzamt hält die Hand auf

Die Einnahmen aus der Einspeisevergütung sind einkommensteuerpflichtig, daher muss jede neu installierte PV-Anlage dem Finanzamt gemeldet werden. Aus Sicht der Finanzbehörden handelt es sich hier nämlich um Einkünfte aus einem Gewerbebetrieb. Einkommensteuer wird erst dann erhoben, wenn mit der Anlage ein Totalüberschuss erwirtschaftet wird.
Betreiber von Anlagen bis zu 5 kW müssen jedoch nicht befürchten, Gewerbesteuer zahlen zu müssen. Hierzu müsste der Gewinn über 24.500 € pro Jahr betragen.
Umsatzsteuer wird hingegen fällig, wenn mehr als die Hälfte des produzierten Stroms ins öffentliche Stromnetz eingespeist wird. Dabei spielt es keine Rolle, ob mit der Anlage ein Gewinn oder Verlust erwirtschaftet wird. Allerdings wird die mit den Anschaffungskosten entstandene Vorsteuer im Investitionsjahr vom Finanzamt erstattet. Auf diese Weise wird die Investitionssumme um 19 % gemindert.
 
Anlagenbetreiber sind verpflichtet, ihre im Zusammenhang mit der Anlage entstehenden Einnahmen und Ausgaben in einer Gewinnermittlung zu dokumentieren. Als Kleinunternehmer (Jahresumsatz im letzten Jahr max. 17.500,-- €, im laufenden Jahr max. 50.000,-- €) müssen in der Steuererklärung die Umsätze des Veranlagungs- und des Vorjahres angegeben werden. Wird die Anlage als Gewerbe betrieben, müssen Auskünfte über die Einnahmen aus einem Gewerbebetrieb oder einer selbstständigen Tätigkeit (GSE) gemacht sowie eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) vorgelegt werden.

Tipp:
Auf www.photovoltaik.info finden Interessierte eine Vielzahl an Informationen über Photovoltaikanlagen.
 
Sind Photovoltaikanlagen gut für die Umwelt?