Klimawandel: Unwetter, Gletscherschmelze ... – und Kinderarbeit

Der Klimawandel mit seinen Folgen für uns alle beschäftigt ständig die nationale und internationale Politik. Wissenschaftler zeigen mithilfe von Modellen auf, wie sich das Abschmelzen der Gletscher auf die Meeresspiegel, die Unwetter auf die Ernte und die sich verändernden Niederschläge auf Bauwerke und Infrastruktur auswirken; Ökonomen zeigen mit dem Finger auf Handelsprobleme oder Risiken für Versicherungen und Banken. Doch ausgerechnet diejenigen, die an allen diesen Missständen keine Schuld haben und die Schwächsten in allen Gesellschaften sind, blieben bislang ausgeblendet: die Kinder.

Sie leiden besonders stark unter dem Klimawandel, weil sie nicht nur die unberechenbaren Wetterphänomene und ihre Folgen aushalten müssen, sondern weil schätzungsweise 5,5 Millionen von ihnen das Opfer von Zwangsarbeit sind (Quelle: Internationale Arbeitsorganisation, ILO). Diesem Zusammenhang ist kürzlich das Kinderhilfswerk terre des homme auf die Spur gekommen.

Ausbeutung von Kindern und fortschreitender Klimawandel gehen Hand in Hand

Um zu verstehen, wie sehr Klimawandel und Umweltzerstörung in das Leben von Kindern eingreifen, muss man sich zunächst diese Zahlen vor Augen halten: 500 Millionen Kinder leben in Regionen, die von extremem Hochwasser bedroht sind; fast 160 Millionen Kinder sind in Gebieten zuhause, in denen es sehr trocken ist. Hinzu kommt, dass Kinder sowohl hinsichtlich der Sterblichkeitsrate als auch ihrer körperlichen und kognitiven Entwicklung in hohem Maße von der Umweltverschmutzung betroffen sind. Terre des homme wies anhand von Fallstudien in fünf Staaten, die sich in Zentralamerika, Asien und Westafrika befanden, nach, dass die ungünstigen Veränderungen unmittelbar in das Leben von Kindern eingreifen: Familien, die von der Landwirtschaft leben, sehen sich immer öfter nach Überflutungen, Dürren oder Erdbeben Ernteausfällen gegenüber, die ihre Existenz bedrohen oder sogar vernichten. Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als ganz oder zeitweise ihre Heimat zu verlassen und auf andere Weise Geld zu verdienen. In solchen Situationen ist der Weg in die ausbeuterische Kinderarbeit oft nur kurz, da auch kleine Einkünfte benötigt werden, um die Familie am Leben zu erhalten. Familien, die ihren Wohnort wegen der Klimafolgen häufiger verändern müssen, schicken ihre Kinder in zahlreichen Fällen nicht mehr zur Schule, was diesen einen günstiger verlaufenden weiteren Lebensweg verbaut. Letztendlich werden diese Menschen auch nicht von Hilfsprogrammen von gemeinnützigen Organisationen oder den Regierungen erfasst, weil sie nirgends gemeldet sind und viele von ihnen nicht über eine Geburtsurkunde verfügen. So entfällt die Chance auf eine minimale Gesundheitsversorgung und der Zugang zu Bildung.

Auf die mit der Kinderarbeit zusammenhängenden Gesundheitsrisiken wird kaum Rücksicht genommen: Die Gefahr, dass Kinder beispielsweise durch Explosionen, Steinschläge oder Giftmüll verletzt oder gar getötet werden könnten, wird von ihren Arbeitgebern hingenommen. Dies ist vor dem Hintergrund von nicht regulierten Unternehmensaktivitäten sowie fehlenden Umwelt- und Sozialstandards möglich.

Neues Bundesgesetz regelt Veröffentlichung von Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelangen

Am 9. März 2017 wurde das Gesetz zur Stärkung der nichtfinanziellen Berichterstattung der Unternehmen in ihren Lage- und Konzernlageberichten (CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz) von den Abgeordneten des Bundestages beschlossen. Es handelt sich dabei um die Umsetzung der EU-Richtlinie 2014/95/EU des Europäischen Parlaments und des Rates, die bereits seit Dezember 2016 überfällig war. Das Gesetz verpflichtet Unternehmen dazu, nichtfinanzielle Informationen offenzulegen und so Verbrauchern, Investoren und anderen Unternehmen mehr und transparente Informationen über ihre Geschäftstätigkeit vorzulegen. Der Fokus beschränkt sich dabei nicht nur auf das unternehmerische Handeln innerhalb Deutschlands, sondern lenkt den Blick auch auf Drittstaaten, in denen die Ausbeutung von Menschen und Umwelt an der Tagesordnung ist. Die Berichtspflicht beschränkt sich allerdings auf Firmen mit mehr als 500 Mitarbeitern, die an der Börse notiert sind. Das schließt Mittelständler oder familiengeführte Unternehmen wie z. B. Würth, Dr. Oetker oder Lidl aus. Besonders kurios: Die Berichtspflicht entfällt, sofern ein Unternehmen hierdurch erhebliche Nachteile erleiden würde. Kinderarbeit und Umweltverstöße können so problemlos unter den Teppich gekehrt werden.
Verbraucherschützer forderten bereits Ende 2016, diese Schlupflöcher, die den Firmen eine weiße Weste garantieren, zügig zu schließen. Der Bundestagsausschuss für Recht und Verbraucherschutz hat dies im Zuge der Anhörung jedoch abgelehnt. Die von Terre des hommes erhobenen Zusammenhänge zwischen Kinderarbeit sowie Umweltzerstörung und Klimawandel sollen weiter untersucht werden. Hier ist auch die EU gefordert, ihren Einfluss auf Unternehmen und Drittländer entsprechend geltend zu machen. Die Bemühungen, die Umwelt zu retten und den Klimawandel aufzuhalten, müssen weltweit sinnvoll verstärkt werden.

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