Ziel verfehlt? So förderte die Bundesregierung den Einsatz von Ölheizungen

Die Klimaziele der Bundesregierung sind in aller Munde, und spätestens, wenn man sich entschließt, ein Haus zu bauen oder zu sanieren, kommt man an der Installation von ressourcenschonenden Heizmöglichkeiten und einer effektiven Wärmedämmung nicht mehr vorbei.Diese Maßnahmen dienen neben der Einsparung von Energiekosten vor allem einem Ziel, das der Gesellschaft insgesamt zugutekommen soll: der Einsparung von CO­­2, einem Treibhausgas, das wegen seiner Klimaschädlichkeit 1997 ins Kyoto-Protokoll aufgenommen wurde.

Die Bundesregierung hat noch anlässlich des Beschlusses des Klimaschutzberichts im November 2015 bekräftigt, an ihrem ambitionierten Ziel festhalten zu wollen: Deutschland soll seine Treibhausgas-Emissionen gegenüber 1990 um 40 % senken. Dass es schwierig werden würde, hatte Umweltministerin Hendricks bereits ein Jahr zuvor angedeutet. Im November 2015 räumte sie ein, dass dieser Wert nur erreicht werden kann, „wenn wir besser werden, als wir bisher waren“.

Wie fördert man eine klimafreundliche Wärmeerzeugung? Durch Ölheizungen!

Wenn man für die Beantwortung dieser Frage die Förderungen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) heranzieht, dann fließen deren Fördergelder zumindest zum Teil in die Anschaffung von Ölheizungen. Was einigermaßen befremdlich wirkt, ist Realität: Eine Kleine Anfrage der Bundestagsabgeordneten Eva Bulling-Schröter wurde Ende März 2016 in diesem Sinne von der Bundesregierung beantwortet. Sie brachte folgende Erkenntnisse:
Allein 2015 wurde durch das KfW-Förderprogramm „Energieeffizient Bauen und Sanieren“ die Installation von mehr als 14.000 Öl-Brennwertkesseln über Einzelmaßnahmen unterstützt. Das hierfür verwendete Fördervolumen für einmalige Zuschüsse und zinsgünstige Kredite betrug 52 Mio. Euro. Ob darüber hinaus im Zuge der Effizienzhausförderung sowohl bei Neu- als auch Bestandsbauten Öl-Brennwertheizungen mitgefördert worden sind, ist nicht bekannt: Da hier nur das Erreichen der gewünschten Effizienzhausstufe, nicht aber der technische Weg dorthin entscheidend ist, existieren hierüber keine Daten.

Welche Gründe kann es für solch eine klimaschädliche Förderung geben?

Angesichts dessen, dass der CO2-Ausstoß bei der Verbrennung von Erdöl höher ist als der von Erdgas, können allenfalls Mutmaßungen angestellt werden. Klar ist lediglich: Aus ökologischen Gründen wird eine solche Fehlförderung sicher nicht betrieben. Ebenfalls klar ist, woher die plötzliche Begeisterung zahlreicher Kunden für den vor wenigen Jahren noch als veraltet geltenden Brennstoff rührt: Der Sinkflug des Rohölpreises hat zum Höhenflug der Verkaufszahlen geführt. Mitte April 2015 lag der Heizölpreis bei etwa 62 Euro/100 Liter, ein Jahr später waren es nur noch ca. 45 Euro/100 Liter. Da mag so mancher Verbraucher seine Umweltbedenken zugunsten von Kosteneinsparungen über Bord werfen.

Die Hersteller waren und sind die Profiteure dieses Booms: Von 2014 auf 2015 stieg der Verkauf von Öl-Brennwertheizungen um satte 30 %, ihr Marktanteil liegt aktuell bei ca. 10 %. Derzeit gibt es in Deutschland etwa 21 Millionen Heizungsanlagen, davon werden 6 Millionen mit Heizöl betrieben. Doch wer sich heute eine neue Öl-Heizungsanlage kauft, wird sich erst in etwa 15 bis 25 Jahren wieder Gedanken um eine Erneuerung der Heiztechnik machen müssen. Aus ökologischer und klimapolitischer Sicht ist das ein Desaster.

Dänemark handelt konsequent

Deutschlands nördlicher Nachbar hat bereits die Bremse gezogen: Dort dürfen seit 2013 in Neubauten gar keine Ölheizungen mehr in Betrieb genommen werden. Bei Bestandsbauten ist seit dem 1. Januar 2016 ihre Nutzung nur noch dann erlaubt, wenn keine Fernwärme zur Verfügung steht. Dieses Verbot umfasst dabei auch Gasheizungen: Das Land hat sich zum Ziel gesetzt, die Wärmeversorgung künftig vollständig mit Erneuerbaren Energien zu gewährleisten.

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