Wassermangel, Wasserverschmutzung – sitzen wir bald auf dem Trockenen?

Die drohende Wasserknappheit ist kein neues Thema: Seit Jahrzehnten warnen Wissenschaftler davor, dass unsere wichtigste Ressource angesichts des sich abzeichnenden Klimawandels und der Zunahme der Weltbevölkerung irgendwann nicht mehr für alle reichen wird. Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass die Weltbevölkerung bis 2040 auf etwa neun Milliarden Menschen angewachsen sein wird, der Weltklimarat (IPCC) hält bis zum Jahr 2100 einen mittleren weltweiten Temperaturanstieg zwischen 1,8 und 4,0° C für wahrscheinlich. Dass diese Entwicklungen einen Einfluss auf die zur Verfügung stehende (Trink-) Wassermenge haben, liegt auf der Hand. Doch was bedeutet das für die künftige Wasserversorgung?

Kein neues Problem

Das Problem des sich abzeichnenden Wassermangels wird bereits seit Jahrzehnten diskutiert und hat kürzlich in Deutschland neuen Auftrieb erhalten: Durch die seit vielen Jahren betriebene Einbringung von zu viel Gülle auf Ackerflächen weist das Grundwasser in einigen Gebieten Deutschlands Nitratwerte in einer gesundheitsschädlichen Höhe auf. Das Umweltbundesamt warnte bereits vor regionalen Wasserpreissteigerungen von bis zu 45 %. So wird die mediale Aufmerksamkeit mal wieder auf eine Ressource gelenkt, ohne die es kein Leben gäbe.

Immer wieder ist die Austrocknung von einstmals riesigen Seen ein Thema, ebenso die steigende Zahl von Menschen, die schon heute keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben: Schätzungen der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) gehen von etwa 768 Millionen Menschen aus, die nicht über eine ausreichende Wasserversorgung verfügen. 2040 wird es nach Berechnungen des World Ressource Institute in 33 Ländern einen Wassermangel geben. Davon sind vor allem Länder in Afrika und Asien betroffen, aber mit Griechenland und Spanien auch zwei europäische Staaten. Wohlgemerkt: Diese dramatischen Zahlen bestehen, obwohl das Problem des Trinkwassermangels bereits in den 1950-er Jahren diskutiert wurde. Damals sahen Kongressabgeordnete die USA auf dem Weg, aufgrund von Trinkwassermangels die erste der großen Technologienationen zu werden, die ernsthaft bedroht ist. Die Antwort auf dürre Ackerböden waren damals Meerwasserentsalzungsanlagen, mit deren Hilfe aus Wüsten fruchtbares Land gemacht werden sollte.

In den 1970-er Jahren gab es in den USA erneut eine Dürreperiode, gegen die ganz neue Ideen helfen sollten. Die spektakulärste war zweifellos, aus der Antarktis Eisberge einzuschwemmen und so die schlimmste Wassernot in Süd-Kalifornien zu beheben.

Der Kreativität bei der Lösungsfindung schien also schon vor vielen Jahren kaum Grenzen gesetzt gewesen zu sein, auch über den Transport von großen Wassermengen von Island aus in arabische Länder wurde und wird nachgedacht.

Auch in Deutschland schwappte die Angst vor dem Wassernotstand immer wieder durch die Medien: Nicht nur die zu hohen Nitratwerte, sondern auch Chemieunfälle wie 1986 der Großbrand in einer Lagerhalle des Pharmaunternehmens Sandoz in Basel, bei dem 900 Tonnen giftige Substanzen in den Rhein flossen, ließen Forderungen nach einem Konzept zur Reinhaltung des Trinkwassers laut werden.

Wasser ist eines der großen Themen der UNESCO

Seit 1965 geht es der UNESCO darum, Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um das Wasser zu finden: Wie können Überflutungen und Dürren verhindert werden? Wie können Landwirte mit weniger Wasser auskommen? Können Konflikte wegen des Wassers entstehen? Was umfasst das Menschenrecht auf Wasser?

In der Vergangenheit hat man sich dem Problem der Wasserknappheit mit Methoden genähert, die darauf abzielten, ungenutztes Wasser (Meerwasser, Poleis, isländisches Meerwasser) durch Transport oder Bearbeitung (Entsalzung) für den Menschen nutzbar zu machen. Die Vorschläge der UNESCO gehen jedoch nun in eine andere Richtung: Abwasser soll künftig nicht mehr als Problem, sondern als Teil der Lösung betrachtet werden. Es soll nun gelten: Weg von dem Dogma „Behandlung und Entsorgung“ und hin zu „Wiederverwendung, Wiederaufbereitung und Rückgewinnung“ (Quelle: Zusammenfassung des Wasserberichts der Vereinten Nationen 2017). Es hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass sich Wasser mehrmals nutzen lässt: Es lässt sich aufbereitet als Trinkwasser oder für industrielle Zwecke wie z. B. zur Kühlung nutzen. Wem die Vorstellung zuwider ist, über kurz oder lang Wasser zu trinken, das zuvor verschmutztes Abwasser gewesen ist, dem mag helfen, dass im Weltraum nichts anderes passiert: Seitdem die Internationale Raumstation (ISS) Ende 2000 dauerhaft von Astronauten besetzt ist, wird dort immer dasselbe Wasser genutzt, das ständig wieder aufbereitet wurde. Singapur gilt als Vorreiter dieser Technologie und setzt das Konzept „Trinkwasser aus der Kanalisation“ seit 2003 um. Hier wird etwa ein Drittel des Abwassers recycelt, das durch die 5,7 Millionen Einwohner entsteht. Dabei wird das Abwasser durch mehrere Membranen und Mikrofilter gepresst und anschließend einer ultravioletten Bestrahlung ausgesetzt. Ähnlich geht man auch in der namibischen Stadt Windhoek vor: Die erste der modernen Recycling-Anlagen wurde dort 2002 mit der Unterstützung von internationalen Partnern in Betrieb genommen und deckt ca. 20 bis 25 % des Trinkwasserbedarfs ab. Auch hier werden zunächst die organischen und chemischen Substanzen aus dem Abwasser herausgefiltert und in einem weiteren Schritt alle restlichen Bakterien, Viren und anderen organischen Rückstände durch eine Ozon-Behandlung abgetötet.

Auch Entsalzungsanlagen sind in zahlreichen Ländern das Mittel der Wahl, um das drängende Wasserproblem wenigstens abzumildern.  Der Deutsche Meerwasserentsalzung e. V. (DME), der sich der Förderung der Technik, Wissenschaft und Forschung der Wasserentsalzung widmet, führte in seiner Datenbank 2015 weltweit etwa 9.000 Entsalzungsanlagen; heute gehen Statistiken von etwa 15.000 aus. Der Verein schätzt, dass bereits heute eine halbe Milliarde Menschen von durch diese Anlagen aufbereitetem Wasser lebt. Der große Haken: Tatsächlich entstehen Entsalzungsanlagen nur dort, wo sie sich wirtschaftlich rentieren. Die hohen Investitions- und Betriebskosten werden darum immer öfter nicht vom Staat, sondern als Public Private Partnership (öffentlich-private Partnerschaft) von Konzernen aufgebracht, die diese Anlagen dann jahrzehntelang betreiben. Die Betreiberkonzerne erwarten einen Gewinn, sodass sie sich nur dort engagieren, wo die Bevölkerung oder der Staat genug Geld hat, um sich das aufbereitete Wasser leisten zu können. 2015 gab es in Bangladesh, das mehr und mehr mit der Versalzung seines Süßwassers zu kämpfen hat, nur eine Entsalzungsanlage. Ähnlich schlecht sieht es auch in anderen armen Staaten aus: In Äthiopien wird ebenfalls nur eine Anlage betrieben, in Somalia und Nigeria sind es zwei bzw. drei. Der unmittelbare Zusammenhang zwischen Geld und Wasser lässt sich hier deutlich ablesen.

Die Zukunft der Wasserversorgung

WasserNach Ansicht der UNESCO wird der Wasserbedarf im Laufe der nächsten Jahrzehnte ständig ansteigen: mehr Menschen, der Bedarf der Landwirtschaft, wachsende Wirtschaftsleistungen, Verluste durch undichte Rohrleitungen, thermische Stromerzeugung sowie sich änderndes Konsumverhalten tragen dazu bei, dass Wasser immer knapper werden wird. Bis 2050 wird der Wasserbedarf voraussichtlich um 55 % ansteigen.  Ein Beispiel: Konzentrierende solarthermische Kraftwerke, die nur in sonnenreichen und bewölkungsarmen Gegenden stehen können, benötigen etwa 3.800 Liter Wasser pro erzeugter Megawattstunde Strom (bezogen auf Netto-Stromerzeugung), davon das meiste für die Kühlung. Nach Einschätzung der UNESCO sind 90 % der globalen Stromerzeugung wasserintensiv. Hier setzt die Organisation darauf, dass die zunehmende Nachfrage nach der eingeschränkten Wassermenge den Druck auf diejenigen Firmen erhöht, die für die Produktion von Energie viel Wasser verbrauchen: Sie könnten der Motor für künftige Innovationen werden, die dazu beitragen, für die Energieerzeugung mit geringeren Wassermengen auszukommen.

Insgesamt lässt sich sagen, dass das Problem der Wasserknappheit aus heutiger Sicht in erster Linie auf technischem Weg gelöst oder zumindest abgemildert werden wird. Dazu ist Geld nötig, das die Sorge um eine zunehmende Kommerzialisierung dieses elementaren Guts zunehmen lässt. Finanzexperten sprechen davon, dass die Wasser-Industrie in Zukunft immer wichtiger werden wird, Anlegern werden börsennotierte Konzerne empfohlen. Die Frage, ob der Zugang zu sauberem Wasser ein Menschenrecht sein sollte, wurde zwar 2010 von der Vollversammlung der Vereinten Nationen bejaht, aber die Diskussion darüber flammt immer wieder neu auf. Wenn die sich deutlich abzeichnenden Probleme nicht gelöst werden, ist die Sorge, es könnten Kriege um das Wasser geführt werden, keine Vorstellung von Pessimisten, sondern sie kann zur Realität werden.
Experten sehen Deutschland übrigens nicht von einem Trinkwassermangel bedroht: Hier wird nur ungefähr ein Viertel des Süßwassers genutzt, und es fällt genug Niederschlag, um die Grundwasservorräte immer wieder aufzufüllen.

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